Hilfe, ich bin ein Smartphonezombie!

Jeder Mensch hat seine Schwächen. Und jeder, der mich kennt, weiß, wo meine größte liegt: Ich bin absolut süchtig nach meinem Handy. Man munkelt, dass ich sogar schon mit dem Handy in der Hand geboren wurde – aber zu damaligen Zeiten gab es zum Glück noch keine Smartphones. Ich bin in den Genuss gekommen, ohne diese Technik aufzuwachsen und dennoch mit ihr erwachsen zu werden. Ich könnte nicht mehr ohne mein Smartphone leben. Und genau das verfluche ich.

Fakt ist, man macht sich maximal abhängig von einem Gerät, das ungefähr so groß ist wie die eigene Hand. Das Handy ist immer dabei. Auf der Fahrt zur Arbeit, wenn man sich die Busfahrt vertrödeln will, bei einem gemütlichen Essen mit Freunden, das eigentlich selbigen gewidmet sein sollte, und sogar im Bett, wenn man eigentlich lieber schlafen würde. Aber kaum sinkt man ins Kissen, fällt einem noch ein, dass man XY noch gar nicht zurückgeschrieben hat, dass man den Fortschritt des neuen Instagram-Bildes noch checken muss und dass sich die Mails auch nicht von alleine beantworten. Auch, wenn ich vor dem Fernseher sitze, habe ich immer das Handy in der Hand, weil ich der Meinung bin, so multitaskingfähig zu sein, dass ich beidem gleichzeitig meine Aufmerksamkeit schenken kann. Dasselbe Prinzip kommt in der langweiligen Vorlesung zur Anwendung.

Das Problem an dieser Sache ist nur: Kein Mensch ist uneingeschränkt multitaskingfähig. Ich habe letztens einen interessanten Artikel darüber gelesen. Tatsächlich führen wir die verschiedenen Aufgaben nicht gleichzeitig aus, sondern nacheinander. Wir denken, dass wir fähig sind, uns auf zwei Dinge gleichzeitig zu konzentrieren, aber eigentlich switchen wir nur zwischen diesen Dingen hin und her. Wenn ich mit jemandem spreche und gleichzeitig aufs Handy schaue, kann ich niemals beides mitbekommen. Aber dennoch mache ich es, weil ich mich ohne mein Handy unvollständig fühle.

Beispielsweise kriege ich echt Panik, wenn ich das Handy nicht sofort in meiner Handtasche finde. Wenn ich das Handy dann mal tatsächlich zuhause vergesse – was mir in meinen 21 Jahren erst zweimal passiert ist, da ich das Ding so gut wie immer in der Hand halte – brauche ich fast schon ein Sauerstoffzelt. Freunde von mir bezeichnen mein Smartphone oft schon gar nicht mehr als Smartphone, sondern nennen es „Beatmungsgerät“. Und genau das ist es auch für mich.

Nun musste ich das Schreiben dieses Beitrags kurz unterbrechen, weil ich auf mein Handy geguckt habe. Es ist, wie wenn man zum wiederholten Mal in den Kühlschrank guckt, um festzustellen, dass sich nichts am Status Quo geändert hat – aber die Hoffnung, überraschenderweise doch etwas Leckeres darin zu finden, besteht. Und natürlich habe ich jetzt keine Ahnung mehr, wo ich eigentlich anknüpfen wollte.

Dass mein Smartphone nicht nur ein Begleiter für mich ist, sondern sich zur regelrechten Obsession gemausert hat, finde ich selbst höchst bedenklich. Ich habe schon so oft versucht, mir das Handy abzugewöhnen. Es gibt dazu auch eine nützliche App, die die Funktionen wie WhatsApp oder Facebook blockiert und aber beispielsweise Notrufe zulässt oder Anrufe von bestimmten Kontakten durchlässt, sodass man trotzdem nichts tatsächlich Wichtiges verpasst. OffTime heißt diese App. Ich habe sie getestet und für gut befunden. Aber irgendwann versauerte auch sie unbeachtet auf meinem Speicher, weil ich vergessen habe, dass ich ja eigentlich einen Handyentzug starten wollte. Beziehungsweise, weil ich das doch nicht so ganz durchgehalten habe.

Leider bin ich oft zu paranoid, mein Handy zuhause zu lassen. Es könnte ja was passieren und ich müsste den Notruf kontaktieren. Oder ich treffe jemanden, den ich kenne, und muss so tun, als würde ich telefonieren, um nicht quatschen zu müssen. Oder jemand schickt mir ein süßes Bild von einem Welpen. Die Ausreden, die ich benutze, sind vielfältig. Ich komme mir vor wie ein dickes Kind, das sich immer wieder schwört, dass es nur eine Rippe Schokolade essen und danach die Tafel wieder weglegen wird. Nur, dass das natürlich niemals passieren wird.

Während ich diese Zeilen tippe, wird mir zunehmend klar, dass ich wirklich ein Problem habe. Und dass ich etwas dagegen tun muss. Ich würde gerne ein Experiment starten: 10 Tage ohne Handy. Aber ich würde schon am ersten Tag kläglich scheitern. Ich bin nicht besser als das zu dicke Kind, das seine Mutter um ein Eis anbettelt. Ich bin auch nicht besser als der Shopaholic, der sich trotz viel zu hoher Kreditkartenabrechnung ein weiteres Paar Schuhe kauft. Fakt ist, ich habe genau dasselbe Problem. Nur, dass meines in einer Gesellschaft voller Smartphone-Zombies nicht mehr auffällt.

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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Shop my look:

Leggings: New Yorker – ähnliche hier

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Lippenstift: MAC Viva Glam I – gibt es hier

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25 Kommentare zu “Hilfe, ich bin ein Smartphonezombie!

  1. Wie mit jeder Sucht, muss der Druck erst einmal groß genug werden um etwas dagegen zu tun. Wenn man das mal reflektiert, sind viele Dinge auch gar nicht in Echtzeit nötig. Vielleicht deshalb einfach bewusst freie Zeiten einführen wenn dir das mit dem reduzieren wichtig ist. (Wenn dich die Sucht schon kontrolliert, das leben raubt) Beim Essen und anderen Tätigkeiten zu Hause, beim Date, einfach für diese Zeit außer Reichweite legen. Beim Sport, beim Radeln usw. will man vielleicht die Sicherheit, dass man Hilfe rufen kann. Dazu einfach ein StupidFon mit nehmen, dann traut man sich den Verzicht auch zu.
    Bestimmt schwer aber vielleicht bekommt man das in Lebenszeit wieder.

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  2. Liebe Julie,
    richtig toll geschrieben! Habe den Link mal gespeichert und werde ihn in meinem Märzrückblick unter Lieblinks präsentieren. 🙂

    Mir gehts da oft ähnlich wie dir, und irgendwie finde ich es gar nicht schlimm. Es gehört einfach dazu, auch, wenn es manchmal nicht mehr feierlich ist. Wenn ich mit Freunden unterwegs bin bleibt das Handy meistens in der Tasche, auf der Arbeit habe ich selten Zeit einen Blick drauf zu werfen. Zuhause angekommen gehts dann los. Als Blogger kommt da natürlich noch mehr hinzu als „mal eben Facebook checken“. Im Urlaub hatte ich hingegen zum Beispiel gar keine Lust auf WhatsApp und Co.

    Manchmal nervt es mich. Oft finde ich aber auch toll, dass es da so viele Möglichkeiten der Vernetzung und des Austausches gibt. Es bietet recht viel, verlangt wiederum aber auch einiges.
    Ich versuche einfach es angemessen zu dosieren, je nach Umstand.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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  3. Ich gehöre zur Partie: leg jetzt endlich dein handy weg… und 3 sekunden später pick ich selber am Bildschirm. Wobei, ich lass es immer wieder daheim, was den Liebsten aufregt, weil ich dann nicht erreichbar bin oder sein Akku leer ist oder oder… als Nanny muss ich halt immer das Telefon dabei haben, weil weißt eh, das Kind könnt ja runterfallen und ich muss den Notarzt rufen:-)
    (Ich schreib auch gerade vom handy, weil mein PC keine umlauttastatur hat…)

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  4. Vielen Dank für den tollen Post. ich erkenne mich genau darin wieder. Auch ich checke bestimmt mindestens alle zehn Minuten mein Handy. Draußen suche ich dauernd nach freiem WLAN, und wehe am Urlaubsort stimmt es mit dem Empfang nicht. Ich glaube, wir machen uns alle ein bisschen abhängig von dem kleinen Gerät. Aber irgendwie macht es auch Spaß. Das kann ich nicht verleugnen, und auch wenn ich versuche, zumindest nicht andauernd aufs Display zu gucken, ein Leben ohne mein Handy könnte ich mir nicht mehr vorstellen. Im Urlaub gelingt es mir ja dann doch mal längere Zeit ohne „Handy-Check“ zu überleben. Ist ja genug Ablenkung da 😉

    Liebe Grüße, Barbarella (Marion) ❤

    https://barbarella149.wordpress.com

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  5. Vielen vielen Dank für deine Gedanken.
    Erst heute Abend habe ich mit einem Freund über das Handythema gesprochen. Und ich vermisse die Zeiten, wo ich noch keines bzw. mein Tastenhandy ohne Internet hatte.

    Ich möchte genauso wie du Abstand bekommen und die Zeit, die ich durch Smartphoneaktivitäten, sinnvoll nutzen und die Augen und Ohren offen halten…der Frühling kommt und die Tage sind zu schön um sie mit unnötigem Handyummanandatun zu vergeuden. Und ich möchte unerreichbar sein, ohne ein schlechtes Gewissen zu haben.

    Ich wünsche dir alles Gute und viel Durchhaltevermögen, es wird sich auszahlen! 😀

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  6. Das Greifen nach dem Handy resultiert doch aus der Sorge was zu verpassen. Was meistens nicht stimmt, das tolle an Appnachrichten, SMS, E-Mail ist doch gerade, dass ich entscheiden kann, wann ich sie lese und beantworte und dass ich nichts verpasse, weil sie gespeichert sind. Manchmal geht auch folgender Blickwinkel: was verpasse ich denn genau jetzt, das nicht gespeichert wird, wenn ich das Handy nehme und meine Umgebung ignoriere?

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  7. Hallo liebe Julie,
    ich glaube, das Problem mit dem Handy kennt jeder.
    Ohne Handy geht bei mir schlichtweg wegen privaten, FH- und Schießterminen überhaupt nicht, denn händisch in nem Papierkalender eintragen und immer dabei haben, funktioniert nicht wirklich. 😦
    Besonders wenn sich dann Termine verschieben, wäre es handschriftlich nen Chaos.
    Aber nach meinem Studium werde ich probieren, den Papierkalender plus Termine! 🙂 Bin gespannt darauf!
    Liebe Grüße,
    Carina!

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    • Ich glaube auch, was ich so mitbekomme, sind die meisten Menschen genauso abhängig von dem Ding 😀
      Ich hab das Problem mit dem Papierkalender auch. Ich kann das einfach nicht^^ Ich hab jetzt mit einem Bullet Journal angefangen, mal gucken, ob das besser funktioniert 😀
      LG Julie

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