Du musst lauter werden!

Ich weiß noch, wie es damals war. Damals, mit 15. Ich hatte gerade mit meinem ersten Job begonnen und habe in einer Eisdiele angefangen. Ich kam dreimal pro Woche während der Schulzeit um Mitternacht nach Hause, obwohl um diese Zeit niemand mehr Eis essen geht (schon gar nicht im April), hatte Blasen an den Händen, kämpfte mit meinem Heuschnupfen, hatte teilweise unmögliche Kollegen und Kunden, und war trotzdem immer freundlich und bemüht. Wirklich zu jedem, egal, ob mich derjenige mit Respekt behandelte oder nicht. Ich habe mir den Hintern aufgerissen, obwohl ich nur für einen Hungerlohn arbeitete. Trotzdem kam eines Tages die Chefin zu mir und blaffte mich an: „Du musst lauter werden.“ Daraufhin fasste ich einen Entschluss: Ich kündigte.

Für manche mag es vielleicht so aussehen, als wäre ich vor einem Problem davon gelaufen. Das Ding ist nur, dass ich es nicht als Problem sehe, dass ich nun mal kein Mensch bin, der sich in einen vollen Raum stellt und „Hey, seht mich an, hier bin ich, gebt mir Aufmerksamkeit!“ schreit. Warum sollte ich das als Problem ansehen? Ich mag solche Menschen ja selbst nicht besonders, sie gehen mir meist auf die Nerven.

Mir wurde häufig gesagt, ich solle „mal ein wenig selbstsicherer werden“. Und hier liegt gleichzeitig ein großer Denkfehler: Ich habe kein Problem mit meiner Selbstsicherheit. Ich weiß, was ich kann und worin ich gut bin, ich stehe zu mir, zu meinen Überzeugungen und zu den Dingen, die ich tue. Nur habe ich kein Bedürfnis, jedem zu erzählen, wie geil ich bin. Wir haben schon genug Menschen von dieser Sorte, da muss und will ich mich nicht auch noch einreihen.

Naja, leider hatte ich mit 15 einen anderen Blick auf die Dinge als heute. Der wurde mir halt auch von allen Seiten eingeprügelt. Schon in der Schule lernt man schnell, dass die Lautesten gleichzeitig die „Coolen“ sind – die Leute, die bewundert werden, haben meist einen ziemlichen Krach um sich herum, oder sie haben selbst ein sehr lautes Organ und können mühelos alle anderen übertönen. Von den Lehrern wurde man stets für dumm gehalten, nur weil man zu schüchtern war, um etwas zu sagen. Man ist die Langweilige, weil man nicht gern auf Partys geht. Außerdem wurde ich schon oft als arrogant, unhöflich oder peinlich bezeichnet, teilweise von Leuten, die mir nahe stehen – und das nur, weil ich einfach nicht gerne besonders laut rede oder mit meinem Lachen Gläser zerbrechen könnte.

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(c) Kathrin Schlager

Klar, solche Kommentare verletzen. Aus diesem Grund versuchen die „schwachen“ Introvertierten, zu denen ich damals auch gehörte, mehr aus sich herauszukommen, und sich quasi auf extravertiert „umzupolen“. Nur, dass das nie so wirklich gelingen kann. Dennoch hat jeder seine eigene Strategie dafür. Ich zum Beispiel habe mir immer vorgestellt, ich sei jemand anders, bevor ich gesprochen habe. Wenn ich nicht ich selbst war, klappte es plötzlich, da konnte ich auch mal ganz locker lässig einen kleinen Smalltalk anfangen. Nur, wie gesagt: Da war ich nicht ich selbst. Aber ich habe es akzeptiert, mich zu verstellen, damit ich nicht untergehe und nicht mehr als „ruhig“ bezeichnet werde. „Ruhig“ war damals wie ein Schlag ins Gesicht für mich, es war wie ein Schimpfwort. Denn natürlich wurde meine Maskerade durchschaut. Jeder wusste, dass ich von Natur aus kein lauter Mensch bin, nur wollte ich das nicht wahrhaben.

Irgendwann hatte ich dann so viel Selbstbewusstsein, um einzusehen: Ich bin einfach nicht so. Ich bin niemand, der gerne alle Blicke auf sich zieht, mit allen spricht und große Reden schwingt. Ich fühle mich nicht wohl in der Gegenwart von Menschen, die unaufhörlich reden, ohne dabei etwas zu sagen. Laute Menschen bewundere ich für ihr Selbstvertrauen, und dennoch stoßen sie mich ab. Große Gesellschaften bereiten mir Bauchkrämpfe. Ich unterhalte mich lieber mit dem Hund oder lese ein Buch, anstatt mich unters Volk zu mischen. Und das ist okay. Es ist in Ordnung, nicht am lautesten zu brüllen, nur, weil das anscheinend von uns erwartet wird. Es ist okay, sich zurückzuhalten, weil man sich im Rampenlicht nicht wohl fühlt. Genauso, wie man sich natürlich selbst präsentieren darf, wenn man Freude daran hat. Aber es ist nicht okay, anderen vorschreiben zu wollen, wie sie sein sollen.

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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54 Kommentare zu “Du musst lauter werden!

  1. Hallo Julia,
    Du sprichst mir wirklich aus der Seele. Es ist eigentlich traurig wie oft ein ruhiges Verhalten als Problem eingeschätzt wird und Leute einem immer sagen du musst lauter werden und dich verbiegen wollen. Die Leute halten einen immer gleich für Unsicher. Oder was ich noch viel schlimmer finde als dumm. Auf dem Gymnasium in der 5 Klasse haben einige Lehrer meinen Eltern doch wirklich geraten mich von der Schule zu nehmen, ich sei auf einer Realschule besser aufgehoben. Aber als Introvertierter hat man trotzdem seine Stärken und ist keinesfalls dumm.
    Selbstbewusstsein hängt für mich auch nicht von der Lautstärke ab, vielmehr hat man oft den Eindruck das manche Leute ihre Unsicherheit durch ihre Lautstärke kaschieren wollen. Ich selber fühle mich keineswegs Unsicher, Dinge die mir wirklich wichtig sind spreche ich an und setzte sie auch durch (und dann sind die Leute auch oft wieder verwundert und gucken einen schräg von der Seite an weil sie nicht damit rechnen wie hartnäckig man seinen Standpunkt vertritt). Ansonsten habe ich einfach nicht das Bedürfnis, mich immer in den Vordergrund zu drängen und überall zu erzählen wie toll ich bin. In der Schule hab ich mich nur deswegen nicht gemeldet, weil ich es einfach immer ziemlich unnötig fand wenn man das gleiche einfach immer wieder nur einfach in anderen Worten gesagt wurde. Ich hab immer nur dann was gesagt wenn sich eben sonst keiner gemeldet hat. Weil ich es nicht mag einfach nur um des Redens willen den Mund auf zu machen.
    In deinem Artikel hast du die Situation eines Introvertierten wirklich ziemlich treffend auf den Punkt gebracht. Ich hoffe es, dass mal ein Umdenken in den Köpfen stattfinden, man als Introvertierter einfach so akzeptiert wird wie man ist und es nich als ein Problem angesehen wird.

    Liebe Grüße
    Maike

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    • Hallo Maike,
      Danke für deinen lieben Kommentar! Meine Betreuerinnen im Kindergarten wollten mich deswegen sogar zum Psychologen schicken. Da hat meine Mutter dann zum Glück interveniert und gesagt, dass ich ruhig und nicht krank bin.
      Ich habe auch einfach kein Bedürfnis, den Mund aufzureißen, ohne etwas zu sagen. Wenn ich etwas beizutragen habe, tue ich das.
      Ich finde es nur einfach bedenklich, dass nicht mehr die besten Vorschläge zählen, sondern die, die am lautesten hinausgeschrien werden.
      Liebe Grüße,
      Julie

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  2. Pingback: Wie ich zu mir selbst gefunden habe und die Learnings daraus. - Hirn mit Ei

  3. Wirklich toller Artikel, ich habe auch öfters dieses zwiespältige Verhältnis zu extrovertierten Menschen: Bewunderung ja, aber würde ich mit ihnen tauschen wollen? – Eher doch nicht, die Erkenntnis kam zum Glück ziemlich früh.
    Ja, Gruppen sind wirklich anstrengend, ich habe einfach Probleme damit um das Wort zu kämpfen, das mach ich nicht mehr. Und notgedrungen Sprüche ablassen ist ja auch nicht das Wahre 🙂
    Viel lieber sind mir da Aktivitäten in einer kleinen Gruppe.

    Liebe Grüße, Jim

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  4. Zugegeben wollte ich zwischendrin antworten, dass man schon ein gutes Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen haben sollte, also auch mal laut werden muss. Aber, das ist ja auch wieder so ein Vorurteil. Wenn man sich so wie man nun mal ist, wohlfühlt und weiß was man kann und was nicht, dann ist das richtiges Selbstwertgefühl.
    In der Eisdiele warst du vielleicht nicht die Lauteste, aber eine sehr kundenfreundliche Mitarbeiterin. Und ich vermisse oftmals in Geschäften die Kundenfreundlichkeit.

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    • Ja natürlich sollte man sagen können, wenn einem etwas gegen den Strich geht, das mache ich auch 🙂 laut sein hat aber meiner Meinung nach überhaupt weniger mit Selbstbewusstsein zu tun, als allgemein angenommen wird 🙂
      Ich vermisse das auch oft und vor allem hab ich mir die anderen Mitarbeiter angesehen, die zwar ein lauteres Organ hatten, aber mehr als unfreundlich waren. Und da habe ich die Kritik dann erst recht nicht verstanden.
      Liebe Grüße!

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  5. Du sprichst mir (und offenbar vielen anderen) sooooo aus der Seele!!!
    Mir ging und geht es ganz genau so. In der Grundschule musste ich jedesmal, wenn ich etwas sagte (oder sagen musste) aufstehen, damit man mich besser hören konnte. Lauter bin ich dadurch nicht geworden.
    Man stelle sich nur mal vor, wie anstrengend die Welt wäre, wenn alle Menschen laut wären!
    Nee, nee, ich bleibe wie ich bin und ich hoffe, du auch 😉

    Alles liebe, Friede

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  6. Hallo Julie,

    ich bin wie Du eher introvertiert und leise.
    Beruflich bin ich in einer Führungsposition tätig und habe es daher oft z.B. in Sitzungen mit den sog. lauten Platzhirschen zu tun. Es fällt mir schwer, mir Gehör zu verschaffen, obwohl ich oft die besseren Argumente an der Hand habe.

    Ich hatte aber auch ein positives Schlüsselerlebnis, welches meine Sicht auf die Dinge geändert hat:
    Bei einem Seminar für Führungskräfte sollten wir gemeinsam eine Teamaufgabe lösen. Mir war schnell klar, welcher Weg zu der richtigen Lösung führen würde, doch leider wurde ich wie so oft erstmal überhört, weil ich nicht laut genug war. Die Gruppe entschied sich, erstmal den Lösungsansatz der Lauten zu versuchen. Ich habe dennoch nicht aufgegeben, da ich mir sicher war, dass meine Lösung funktionieren würde und habe im Einzelgespräch mit einigen aus der Gruppe meinen Lösungsansatz noch einmal diskutiert und dadurch nach und nach mehr Befürworter und Unterstützer gewonnen.
    Als die Lauten dann mit ihrem Lösungsansatz gescheitert sind, habe ich meinen Vorschlag nochmal vor der Gruppe vorgetragen und jetzt waren alle bereit, mir zuzuhören, zumal ich jetzt auch Rückhalt durch andere hatte. Und siehe da: Meine Lösung hat funktioniert.
    Das Feedback, welches mir der Coach hinterher gegeben hat, hat mich auch sehr aufgebaut: Er meinte, eine Gruppe dazu zu bewegen, gemeinsam an einer Lösung zu arbeiten, beweist eben auch Führungsstärke. Dazu muss man nicht laut sein. Nur Durchhaltevermögen beweisen und an sich und seine Idee glauben. Zudem hat er positiv bewertet, dass ich mich zurücknehmen kann: Der dominante Führungsstil sei heutzutage gar nicht mehr gefragt. Wichtiger sei heutzutage in den Chefetagen, klare Vorgaben zu machen und sich dann zurückzunehmen, wozu viele Laute gar nicht in der Lage sind.

    Fazit: Ich habe früher oft gedacht, ich muss als Führungskraft lauter und dominanter werden, um mich durchzusetzen, aber jetzt weiß ich es besser: Ich kann auch leise Führungsstärke beweisen. Dazu bedarf es nur anderer Wege als die Lauten, Durchhaltevermögen und den Glauben an sich selbst.

    Vielen Dank, liebe Julie, dass Du Deine Gedanken mit uns geteilt hast.
    Ich habe Dir mal ein Abo dagelassen.

    Liebe Grüße
    Magdalena

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    • Liebe Magdalena,
      Ich danke dir vielmals dafür, dass du deine Erfahrungen mit mir teilst! Deine Geschichte ist wunderbar und macht Mut! Ich gratuliere dir ganz herzlich dazu, dass du die “Platzhirsche“ ausgestochen und eine Führungsposition hast, das finde ich toll! Vor allem gefällt mir, dass du dir selbst treu geblieben bist.
      Liebe Grüße,
      Julie

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  7. Dein Bericht spricht mir aus der Seele. Als Kind fand ich es sehr schlimm, dass mich alle umpolen wollten. „Introvertiert“ bekam ich so oft an den Kopf geschmissen, dass es wie ein Schlag ins Gesicht war. Auch von meinen eigenen Eltern fühlte ich mich deswegen nicht angenommen. Ich wurde sogar beim Schulpsychologen vorgestellt. Das hat meinen Selbstwert nachhaltig zerstört, weil mein Umfeld mir das Gefühl gab, nicht richtig zu sein. Wie anmaßend das ist, weiß ich erst heute. Hat lange gedauert, bis ich mich selbst in meinem So-Sein annehmen konnte. Ich bin auch Journalistin.
    Da ist meine ruhige Art sehr willkommen, weil ich zu den wenigen Menschen gehöre, die wirklich zuhören können.

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    • Danke für deine Erfahrungen, Conni!
      Ich habe als Journalistin auch die Erfahrung gemacht, dass mir die Menschen gerne was erzählten, einfach weil sie meine Art angenehm fanden, und das hat mich sehr bestätigt 🙂
      Ich finde es übrigens unmöglich, dass man dich deswegen zum Psychologen geschickt hat. Das wollte man bei mir auch machen, aber meine Mutter hat interveniert und gesagt “mein Kind ist ruhig, nicht krank.“ und genau so sehe ich das nun auch, auch wenn ich lange gebraucht habe, um mich selbst so anzunehmen. Ich bin froh, dass du das auch geschafft hast! Fühl dich gedrückt!
      LG Julie

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  8. Liebe julie,
    besser kann man es gar nicht sagen, oder schreiben. Ich bin als eines von sechs Kindern einfach untergegangen. Mitläufer. Hintenan in der Schule, in der Beziehung. Dann der Ausbruch. Und jetzt bin ich manchmal zu laut, undd denke mir: Du musst leiser werden.
    Doch, kann man im Animations und Motivationsbereich zu laut sein?
    Liebe Grüße Ingrid

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  9. Darüber könnte ich ein halbes Buch schreiben. „Du musst Dich mündlich mehr beteiligen.“ (In der Schule.) „Du bist zu introvertiert.“ (In der Ausbildung.) „Du musst Dich besser verkaufen.“ (Die ersten Jahre im Berufsleben.)
    Und heiter so weiter… Du bist nicht allein. 🙂 Gibt ein Buch, das davon handelt, mehr auf die Stillen zu hören, habe ich aber noch nicht gelesen, mir fällt der Titel gerade nicht ein. Irgendwo auf meiner Wuli zwischen drölfhundert anderen Büchern müsste ich ihn finden, sag Bescheid, falls es Dich interessiert.
    LG
    Katrin

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  10. Vielen Dank, du sprichst mir aus der Seele! Wie oft musste ich mir sagen lassen, ich müsste mehr aus mir herauskommen, mich mehr in den Vordergrund drängen und im Mittelpunkt stehen. Aber ich bin eben introvertiert und es bereitet mir immer noch ein wenig Unbehagen, vor vielen Leuten zu sprechen oder was auch immer zu tun. Aber ich kann damit leben. Ich muss nicht irgendeine vermeintliche Kompetenz jedem zeigen, um mich zu profilieren.
    Und deswegen werde ich auch heute noch für langweilig oder einen Einzelgänger gehalten, was einfach falsch ist. Gut, ersteres will ich selbst nicht beurteilen, aber letzteres ist definitiv nicht richtig. 😀
    Also, vielen, vielen Dank für diesen Artikel, du bringst es wieder einmal perfekt auf den Punkt.

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  11. Danke, liebe Jenny 🙂
    Das mit dem Aszendenten wusste ich nicht. Da bin ich mal gespannt, ob die Schütze den Krebs noch verdrängt 😀
    Ich finde es bewundernswert, dass du es geschafft hast, dir das anzutrainieren. Wirklich, ich habe es jahrelang versucht, es hat nicht geklappt, deshalb habe ich es akzeptiert, dass ich mich zwar durchsetzen kann, wenn ich muss, aber dass ich nicht unbedingt gerne laut bin 😀
    Ich muss auch sagen, dass ich selbst mit so „Komplexhaufen“ nicht viel anfangen kann. Mein Freund ist zum Beispiel auch eher extrovertiert und das finde ich ganz erfrischend, wir haben da keine Probleme miteinander. Solange der Mensch mir sympathisch ist, ist es mir egal, ob er sonst eher schüchtern oder eine Partykanone ist – solange ich nicht zu den Partys mit muss 😀
    Wenn du dich heute magst, ist das perfekt! Da freue ich mich sehr für dich! Ich hab auch lange gebraucht, meinen Frieden mit mir zu schließen und mag mein ruhiges Ich viel lieber als mein antrainiert extrovertiertes 😀 Man muss sich mit sich selbst wohlfühlen, das ist das Wichtigste 🙂
    Alles Liebe,
    Julie

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  12. Ein schöner Beitrag mal wieder 🙂 Ich war auch mal eher eine von den „Ruhigen“, mittlerweile habe ich mir über die Jahre antrainiert, eher eine von den „Lauten“ zu sein (vielleicht kommt das auch, weil man ja mit der Zeit immer mehr vom Sternzeichen zum Aszendenten wechselt ;)…).

    Bei mir war das eher beruflich bedingt – normalerweise bin ich auch eher so der Typ, der nur dann redet, wenn er auch wirklich etwas zu sagen hat. Als ich dann vor Jahren erst an einer Tankstelle gearbeitet habe und dann eine Ausbildung im Bereich Kundenberatung anfing, war ein selbstsicheres Auftreten immer wichtiger. Heute muss ich mir sagen lassen, „es ist ja nicht jeder so extrovertiert wie du“… und ich kann mit sehr ruhigen und schüchternen Menschen nicht mehr so viel anfangen. Aber sehr viele tauen in meiner Gesellschaft auch auf und ich habe ebenfalls gelernt, die Kritik zwar anzuhören, aber auch nur das an mich heran zu lassen, womit ich sowieso konform gehe.

    Und unsicher bin ich noch immer in vielen Bereichen, habe aber dann auch kein Problem damit es zuzugeben und muss es nicht überspielen – ich lache, wenn ich mal wieder etwas peinliches tue, lieber mit den anderen über mich 🙂

    Heute arbeite ich nicht mehr viel mit Kunden, sitze am Rechner und mag das auch… Trotzdem ist mir das Extrovertierte wohl geblieben. Du hast hier im Schreiben deine Art gefunden, dich auszudrücken… das ist gut für dich 🙂 Man plappert nicht so sehr einfach drauf los, kann besser reflektieren – wobei, wie du siehst, schaffe ich es auch im Schriftlichen „einfach drauflos zu plappern“. Dennoch mag ich mich heute viel lieber, vermisse aber auch mein einstiges ruhiges, bedachtes Ich manchmal ein wenig. Alles Gute, Jenny

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  13. Daumen hoch für die Aktion, einfach zu kündigen. Es ist schon der Wahnsinn, wie die Gesellschaft versucht, die Menschen zu einem bestimmten Verhalten zu prügeln. Wenn die Menschen einander mehr in Ruhe lassen würden, wäre allen geholfen und es würde keine Kriege geben. LG, Lydia
    PS: Introversion und Extraversion sind ein Spektrum, man muss nicht ruhig sein. Ich kann auch laut sein (mehr oder weniger, wenn die Stimme mitmacht). Trotzdem lese ich lieber ein Buch, als auf Partys zu gehen. Denn daraus ziehe ich meine Energie, während Partys Energie kosten. Werd demnächst mal drüber bloggen…

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      • Aber das wollen wir doch gar nicht. Ist schön ruhig hinter der Mauer, solange die Lauten draußen bleiben. 😉 Wenn wir Lust haben, kommen wir schon raus. Es gibt Abende mit Freunden, da will ich nach ner Stundenä nach Hause. Und andere, wo ich 4 Stunden lang mitdiskutiere und mir auf den Heimweg noch zig Themen einfallen… Es kommt sehr auf die Konstellation und die Tagesform an.

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      • Amen, Lydia. Da habe ich nichts hinzuzufügen 😀
        @Jenny: Falls du auf meine Kündigung anspielst, ich hab da schon mit meiner ehemaligen Chefin darüber gesprochen, ich habe dann einfach für mich beschlossen, dass mich das zu viel Kraft kostet und ich mir lieber etwas anderes suche 🙂
        LG Julie

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      • Wenn du es nicht willst ist das ok, das sollte ein halbwegs sensibler Mensch dann auch mitbekommen und respektieren. Dennoch gibt es genug Menschen, die sich auch selbst nicht damit wohlfühlen überall nur „dabei statt mittendrin“ zu sein. Und die sich sehr freuen, wenn man auf sie zugeht und sie miteinbezieht. Denn manche trauen sich wirklich einfach nur nicht, würden aber gerne…

        Am wichtigsten finde ich, dass jeder ist wie er ist und das auch respektiert wird. Ich finde man sollte trotzdem immer offen sein, seine Einstellung zu überdenken und sich zu verändern oder verbessern, aber niemals um anderen zu gefallen.

        Gut, wenn man dann seine Stärken und Schwächen kennt und diese auch bei der Berufswahl berücksichtigt. Denn ein sehr introvertierter Mensch ist eben selten ein guter Verkäufer zum Beispiel… da darf man sich dann nicht wundern, wenn die Veränderungen von außen auferlegt werden. Liebe grüße, Jenny

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      • Ja, da stimme ich dir vollkommen zu! Ich habe durch das viele Beobachten, denke ich, eine ganz gute Menschenkenntnis und bin recht aufmerksam, deshalb sehe ich meist auch, wenn Leute gerne einbezogen werden würden, und reagiere dann auch drauf 🙂 Finde ich ja selbst auch angenehm, wenn das bei mir jemand macht, eben weil man sich halt oft nicht traut. Und natürlich sollte man an sich arbeiten, wenn man selbst unzufrieden ist 🙂
        Und Bill Gates und Steve Jobs haben ja auch bewiesen, dass auch introvertierte Menschen gute Karrieren hinlegen können, auch wenn sie jetzt nicht die „geborenen Anführer“ sind 🙂 Insofern kann da, denke ich, jeder über sich hinauswachsen, wenn er seiner Leidenschaft folgt.
        LG Julie

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      • Nee, das war eher ganz allgemein gemeint 🙂 Mit 15 hat man ja glücklicherweise noch die Möglichkeit zu erkennen, dass etwas nicht „sein Ding ist“. Habe in dem Alter auch in einer Eisdiele gearbeitet. Ich war immer zu langsam^^ aber mein Chef damals hat mir das immer sehr nett gesagt. Dann habe ich halt versucht mich zu verbessern… Aber langsam ist mein Ding, so bin ich eben und für 7,- Mark die Stunde hats ihm dann auch gereicht 🙂

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    • Danke, Lydia! Ich habe darüber zwar schon ein bisschen nachgedacht und habe dann für meinen eigenen Frieden beschlossen, da nicht mitzumachen. Und es tat mir gut. In meinem jetzigen Job sind alle so wie ich und da wird das ohne irgendwas akzeptiert und trotzdem haben wir eine gute Stimmung bei uns.
      Und klar, das ist nicht dasselbe. Ich bin nur beides, introvertiert und ruhig, deshalb habe ich das so in einen Beitrag gepackt 🙂 Dieser Beitrag von dir würde mich sehr interessieren, weil da bin ich genauso!
      LG Julie

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  14. Ach liebe Julie,
    ich kann mich gut in dich reinfühlen. Ich bin auch kein Mensch, der gerne laut ist, aber mittlerweile kann ich schon laut werden, wenn mir etwas total gegen den Strich geht. Und da werde ich auch meist komisch angeschaut, weil ich das nicht oft mache.
    In früheren Zeiten machte ich nicht mal das, sondern saß ruhig in einer Ecke malte oder machte mir meine Gedanken über alles Mögliche.

    Julie, du hast Recht damit, dass sich niemand verstellen sollte, wenn er/sie es nicht wirklich ist. Ich denke, es ist immer besser zu wissen, wer man ist, anstatt tausende Verhalten sich anzueigen und dann im Wirrwarr nicht mehr zu wissen, wer man eigentlich ist.

    Ich muss Dir für diesen wieder tollen Beitrag danken. Ich komme genervt von der Arbeit nach Hause und sehe du hast endlich wieder nen Beitrag geschrieben. Ich vertiefe mich darin und schon geht es mir besser. Genauso wie bei Kat. Ach ihr beiden, seid einfach klasse! 🙂

    Und für dich als Info: Ich hab schon nen grobes Design für meinen Blog. 🙂 Aber leider fängt am Freitag das sechste Semester an und jetzt haben wieder andere Sachen Priorität. 😦 Aber das wird auch noch. ❤

    Liebe Grüße,
    Carina.

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    • Ach Carina, vielen Dank für deine lieben Kommentare immer! Ich freue mich, dass ich deinen Tag genauso bereichern kann, wie du meinen! Vielen Dank!
      Ja, ich kann auch laut werden. Wenn mir etwas nicht passt, sage ich das. Ich möchte nur nicht reden, wenn ich nichts zu sagen habe, oder wenn es mir nicht passt 🙂 Ist, finde ich, auch wichtig, dass man das auch kann, damit man nicht herumgeschubst wird.
      Es freut mich sehr zu hören, dass du mit deinem Blog ein bisschen vorangekommen bist! Vielleicht findest du während des Semesters ja mal ein bisschen Zeit. Sag mir auf jeden Fall Bescheid, wenn dein Blog online geht, ich werde deine Beiträge gerne lesen!
      Liebe Grüße und einen schönen Abend!

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      • Liebe Julie,
        ich schreibe gerne Kommentare, wenn ich etwas dazu sagen kann. 🙂 Weiteres liebe ich es, anderen eine Freude zu machen. *gg*

        Es freut mich sehr zu hören, dass du meine Beiträge lesen würdest bzw. wirst. Bei diesem Satz hat mein Herz einen Sprung gemacht. Ich werde dir auf jede Fälle Bescheid geben.

        Liebe Grüße und einen schönen Tag.
        Carina.

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  15. Liebe Julie 💗
    Ich lese deinen Blog so gerne und es ist so toll, einen Einblick in dein Seelenleben zu erhalten.
    Ich finde du bist toll wie du bist! Und du solltest genau so bleiben. Auch wenn du nicht laut bist, hast du definitiv etwas zu sagen! Die Message ist wichtig, nicht die Lautstärke. Danke für deine wundervollen Beiträge.

    💗💗

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  16. Hallo Julie. Sehr schöner Artikel. Ich gehöre auch zu den Menschen, die viel quasseln können. Manchmal tu ich das, damit keiner merkt, dass ich gar nicht so gut drauf bin, wie es scheint. Kommt auch drauf an, in welcher Gesellschaft man sich befindet. Lg. Gabi. Sei, wie Du bist !!

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