Nenn mich nicht Maus, Schätzchen!

„So hübsch bist du, Maus!“, „Das hast du aber schön geschrieben, Liebes!“, „Süße, du siehst umwerfend aus!“ – Das Internet ist voller solcher Spitznamen und einer ist schrecklicher als der andere. Eines haben sie aber wohl alle gemeinsam: Sie werden allesamt gerne für Personen verwendet, die man nicht kennt – und von Personen, die einen nicht kennen. Daher frage ich mich: Warum nennt man einen fremden Menschen Maus? Oder Süße? Oder Liebes? Bitte hier einen schlimmen Spitznamen eurer Wahl einsetzen.

All diese oben angeführten Kommentare habe ich schon mindestens einmal auf Instagram bekommen. Ja, sie mögen nett gemeint sein, aber mir stellen sich bei den ungeschickten Spitznamen sämtliche Nackenhaare auf. Und meistens verstoße ich dann gegen eines meiner Grundprinzipien: Kommentare zu beantworten. Ich liebe es wirklich, Kommentare zu beantworten und finde auch, dass es sich so gehört, wenn mir jemand ein Kompliment macht oder eine Frage stellt. Das befiehlt mir quasi meine Erziehung. Wenn mir jemand persönlich etwas Nettes sagt, wende ich mich ja auch nicht einfach ab und tue so, als hätte ich nichts gehört. Außer, man spricht mich mit „Liebes“ an. Dann setzen bei mir sämtliche Fluchtinstinkte ein und ich vergesse meine an sich doch recht gute Kinderschule. „Liebes“ ist höchstens nett, wenn es von einer putzigen Omi kommt. Sonst finde ich das eher semi-gut.

Was ich gegen diese Namen habe? Ganz einfach: Sie hören sich allesamt falsch an. Egal, ob Süße, Schatz oder Schnuckiputz, all diese Namen schreien förmlich nach aufgesetzter Nettigkeit und Freundschaft. Außerdem klingt es für mich immer so, als wüsste derjenige (oder besser diejenige, Männer haben meist die äußerst positive Angewohnheit, diese Namen nicht zu verwenden – danke dafür, liebe Herren!) meinen Namen nicht und sei auch zu faul, ihn in meinem Profil zu lesen. Was ich verstehen kann, ich kenne auch nicht alle Namen meiner knapp 1200 Instagram-Follower. Aber dann belasse ich es bei einer normalen Antwort und schreibe gar keine Anrede dazu. Wäre doch einfacher, oder?

Diese Namen sollen aber wohl Vertrautheit suggerieren, wo keine ist. Schließlich kenne ich das Instamädel, das mich so nennt, nicht persönlich und war wahrscheinlich noch nicht mal ansatzweise in ihrer Nähe. Persönlicher Kontakt ist gleich Null. In solchen Fällen verstehe ich es dann wirklich nicht, weshalb man jemanden „Schätzchen“ nennen muss. Warum tut man das? Ich kann mich nur auf das Beispiel mit der Straße von vorhin berufen: Angenommen, ich frage ein fremdes Mädchen nach der Uhrzeit oder ob mein Bus schon gefahren ist und sie antwortet mir – wäre es dann nicht schräg, mich mit „Danke, süßes Schnuckiputzi!“ zu bedanken? Ja? Finde ich auch.

Wenn ich etwas lese wie „Schaut unbedingt mal bei der Maus vorbei…“, denke ich unweigerlich: Seit wann können Mäuse denn Smartphones bedienen? Wenn’s eine Maus gibt, die das kann, immer her mit dem Link dazu, der folge ich gerne, aber häufig tarnen sich Menschen einfach als Mäuse und nehmen ihre Identität an. Kleine Merkhilfe:

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Das ist eine Maus

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Das ist ein Mensch.

Ich habe auch des Öfteren mal auf Instagram darauf aufmerksam gemacht, dass man mich bitte nicht „Maus“ nennen möge, weil ich auf diesen Namen allergisch reagiere. Es klingt einfach abwertend, als würde man die süße Maus nicht ernst nehmen. Ich glaube, das ist auch das, was mich hauptsächlich daran stört. Ich will mich nicht durch einen dämlichen Spitznamen abwerten lassen, und schon gar nicht von einer Person, die ich nicht kenne und mit der ich noch nicht mal zwei Worte gewechselt habe. Aber vielleicht rührt diese Ansicht auch daher, dass ich süße Mäuse selbst nicht ernst nehmen kann.

Wie ist das bei euch? Stehe ich mit dieser Antipathie alleine da oder reagiert ihr da auch allergisch drauf? Welche Spitznamen könnt ihr überhaupt nicht leiden?

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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26 Kommentare zu “Nenn mich nicht Maus, Schätzchen!

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  3. Hm, ich sehe es noch etwas böser. Es vereinfacht einfach Rundschreiben. Es vereinfacht die Zuordnung. Es spart sich Namen zu merken. Es anonymisiert und degradiert zu Objekt! Ich kann deinen Ärger verstehen. Allerdings, bei manchen Profilbildern im Netzt wird „süß“ wirklich suggeriert, mit Absicht. Das schreibe ich dann auch schon mal, nur nicht als Anrede. Aber passt bei Süße usw. auf, es dient der Austauschbarkeit.

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  4. Da muss ich dir recht geben, als Kerl habe ich da ein Problem weniger. Wobei die eher zu Bezeichnungen, wie „Hurensohn“ neigen – paradoxerweise ein Zeichen, wenn man sich gut persönlich kennt. Würden mich so fremde Menschen anschreiben, würde mich das definitiv aufregen 😀

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  5. Haha^^ Also ich schreibe durchaus mal „Liebes“ oder so. Steht für „du bist eine liebe Person“ und ist damit auch einfach nur eine Freundlichkeit und absolut nicht „leer“ oder dergleichen. „Liebes“ würde ich aber auch noch nicht als Kosenamen bezeichnen.
    Warum du dich so darüber aufregen kannst verstehe ich nicht so ganz. Zumindest wenn es sich auf Internet-Kommentare bezieht. Klar, wenn man f2f von einem Mann „Mausi“ oder so gerufen wird dann ist das etwas Anderes….aber so?
    Na jedenfalls wars nicht uninteressant mal zu erfahren, wie falsch etwas über den Kommunikations-tunnel beim Empfänger ankommen kann 😉

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  6. Also Süße, so geht das aber wirklich nicht! Du kannst doch deinen Followern nicht SO sehr vor den Kopf stoßen, Liebes! /ironieaus 😉

    Ich mag das auch nicht….ich toleriere das maximal von Followern, mit denen man regelmäßig per DM in Kontakt steht, zu denen man etwas Bezug hat etc. Bei anderen stört mich das auch sehr 🙂

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  7. Da muss ich dir wirklich beipflichten. Ich mag es auch nicht wenn fremde Menschen mich „Maus“ oder „Liebes“ nennen. Wenn es von einer älteren Person kommt, mag es ja gerade noch angehen, aber sonst finde ich es unangebracht. Es klingt tatsächlich falsch und man weiß nicht, wie man sich daraufhin verhalten soll. Es geht doch auch ohne merkwürdige Spitznamen.

    Liebe Grüße, Barbarella (Marion)

    https://barbarella149.wordpress.com

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  8. Hallo liebe Julie,
    danke für diesen Beitrag, eigentlich müssten den meine Arbeitskollegen auch lesen, denn diese erfinden zurzeit für jeden irgendwelche blöden Spitznamen, wie „Neicha“, „Krümmel“, etc. Ich bessere die immer aus, besonders wenn dann meine Spitznamen dran sind. *echt nervig* :-/

    Aber mir ist auch schon aufgefallen, dass die Menschheit bezüglich Menschen kennen lernen bzw. Blogger genauer zu kennen (zumindest den Namen und woher er/sie kommt) immer seltener wird. Ich finde es sehr schade, dass niemand mehr den Mensch dahinter kennen lernen will, obwohl sich dahinter tolle Menschen verbergen, wie bei deinem Blog oder bei Kat von „http://sevenandstories.net“..

    Bis bald, liebe Julie.
    Liebe Grüße,
    Carina.

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  9. Oh Mann, „fühl dich gedrückt, Liebes/Süßes/wtf auch immer“… Kosenamen sind auch nicht so meines, weder im realen Leben und schon gar nicht virtuell von Leuten, die man nicht kennt. Mir ist ja mal – übrigens auf der SOWI von einer „everybody’s Darling“ – passiert, dass mich besagte Person mit „huhu, Mäuschen“ begrüßt hat. Das Dumme war nur, ich war im Parterre, sie im ersten Stock und das zur Rush Hour… brrr ich bekomme immer noch Zuckungen, wenn ich daran denke. Grüße aus dem Stubai, Uli

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  10. Hallo/Hi/Guten Tag/Hey/ Julie
    (Schon bei der Anrede gibt es viele Möglichkeiten…)
    Kosenamen kommen in unserem Umfeld (Familie und Freundeskreis) sehr selten vor. Ich selbst mag so etwas nicht, auch nicht die mit „i“ verniedlichten Namen nicht. Mir gefallen die Namen, so, wie sie sind, und das schon mein Leben lang. Ob Eltern mal etwas sagen wie z.B. „Schatz“ oder ähnliches kommt vor, aber meist wertend, denn „Flegel“ oder „Lümmel“ sind früher schon gefallen, stellte man etwas an.
    … und wieder, zum Schluss, was hälst Du von „Liebe Grüße“ oder lieber „Beste Grüße“, vielleicht „Viele Grüße“, (ich benutze alles je nach Gefühl) wäre „Liebe Grüße“ (genauer gedacht) zu viel, zu nah, zu persönlich?
    Suche Dir eines aus 😉 “ …………….“ Olaf

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  11. Haha ich muss sagen, ich musste beim Lesen wirklich etwas lachen, denn wenn man es mal so sieht ist es wirklich lächerlich 😀
    Ich habe mir das mittlerweile auch angewöhnt, warum? Ja wahrscheinlich weil es jeder macht.
    Danke für diese neue Sichtweise
    Liebste Grüße und einen schönen Abend
    Sassi

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  12. Ich verstehe dich da voll und ganz. Wobei ich es auch nicht mag, von wirklich guten Freunden so genannt zu werden 😀 Mir reicht ein „du“ vollkommen aus. Wobei ich meine Insta Follower und auf dem Blog auch ab und an mal, mit „Herzjchen“ begrüße, ich weiß nicht einmal wieso 🤔
    Und Schätzchen verwende ich grundsätzlich, wenn ich jemandem meine Abneigung zeigen möchte.
    Liebe Grüße
    Tashi

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  13. Hey du!
    Ich verwende Ausdrücke wie Süße, Puppe, … ja, mehr fällt mir schon gar nicht mehr ein.. wenn dann nur für Menschen, die ich auch gut kenne, bzw. mit denen ich gut befreundet bin, mit denen ich regelmäßig schreibe.
    Wobei Puppe eher lustig gemeint sein soll, im Zusammenhang oft ironisch.

    Maus finde ich auch nicht so toll. Und dein Fotovergleich Maus – Mensch ist göttlich! Ich musste richtig lachen.

    Danke für den tollen und ehrlichen Beitrag!! Das musste einfach mal gesagt werden.

    Liebe Grüße,
    Nicci

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  14. Ich fand das auch schon immer eigenartig, hab es aber durchgehen lassen. Mir war nicht klar, wie ich auf sowas reagieren soll, wirkt ja irgendwie nett und erinnert mich an amerikanische Serien „Honey … Darling“ usw. Deine klaren Gedanken zu diesem Thema sind mir auf jeden Fall sehr sympathisch.

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