Studententypen und wie man sie erkennt

Die Uni ist nicht nur ein Ort, an dem man etwas lernt. Es ist der Ort, an dem man neu anfängt, sich von den starren Strukturen der Schule löst und sich neuen Herausforderungen stellt. Die Uni ist auch ein Ort, an dem sich alles neu ordnet. Wo Leute, die Fragen stellen, in der Schule noch als dumm bezeichnet wurden, werden sie an der Uni bewundert, weil sie immerhin so viel Ahnung haben, dass sie eine Frage zum Thema stellen können. Die Eltern der ehemaligen Klassenstrebsau können sich nun nicht mehr bei den Professoren einschleimen. Der ehemals so beliebte Kapitän der Fußballmannschaft hat von seinem Ruhm nichts mehr. Und wer weiß, vielleicht blüht das Mauerblümchen hier auch noch so richtig auf? Selbst Misanthropen wie ich kommen oft nicht umhin, Menschen ganz spannend zu finden. Vor allem auf der Uni gibt es einige interessante Exemplare davon. Zwar erscheinen sie einem am Anfang alle so gleich, doch nach ein paar Semestern bilden sich auch hier gewisse Muster heraus.

Die Streber

Vor denen ist man auch wirklich nie sicher. Zwar habe ich diese Sorte selten angetroffen, weil die Streber nach den Vorlesungen und Seminaren immer gleich nach Hause gehen (ups, so wie ich!), um zu lernen (ups, nicht so wie ich!). Die Streber sind für jede Einheit vorbereitet und machen sich beliebt, indem sie knifflige Fragen der Dozenten beantworten, von denen die anderen keine Ahnung haben – und sie machen sich unbeliebt, weil sie den Betrieb mit langen, komplizierten Fragen aufhalten. Aber wahrscheinlich sind wir anderen einfach nur neidisch, weil wir selbst keine Fragen stellen können.

Die komplett Verplanten

„Wie, wir haben morgen Klausur?“, „Wo ist nochmal Raum 40214?“, „Ups, ich wusste gar nicht, dass wir Hausaufgaben hatten!“ – an diesen Sätzen lassen sich die komplett Verplanten meist recht schnell erkennen. Den Stundenplan können sie auch am Ende des Semesters noch nicht auswendig, Anmeldungen zu Klausuren werden ein paar Mal verpasst und den Dozenten sehen sie bei der Prüfung das erste Mal. Und während ich den letzten Satz beende, beiße ich mir schuldbewusst auf die Lippe…

Die Partystudenten

„Ey, kommst du nach der Uni mit nen Glühwein trinken?“ – „Ähm, es ist zehn Uhr morgens?“ – „Ja kommst du jetzt mit, oder nicht? Die Anni, der Jan und die Pia sind auch dabei! Und vielleicht kommen noch Michi, Tanja und Basti dazu. Mit denen war ich gestern auch schon am Weg, würd mich nicht wundern, wenn die nach der Sause noch zu fertig sind.“

Mehr muss man zu den Partystudenten auch nicht wirklich wissen. Sie studieren eigentlich nur, um zu feiern und Leute kennenzulernen. Sie sind die ersten, die von sämtlichen Studentenpartys wissen und auch immer am Längsten bleiben. Daher kommen sie auch schon mal verkatert in die Vorlesung – sofern sie denn überhaupt erscheinen. Uni ist ja nur eine nervige Nebensache. Und lernen? Nein, danke, lass mal lieber Party machen! Und nach der Klausur wird dann auch wieder gesoffen! Prost!

Die faulen Genies

Kennt noch jemand die Streber aus der Schule, die immer behauptet haben, dass sie ja üüüüüberhaupt nichts gelernt hätten und die danach trotzdem mit lauter Einsen nach Hause gegangen sind? Die faulen Genies sind anders. Die lernen wirklich nichts. Beziehungsweise lernen sie nach dem absoluten Minimalprinzip. Durchkommen ist die Devise, aber Bestnoten müssen nicht unbedingt sein. Lieber noch die Staffel Game of Thrones fertig gucken. Und danach kann man ja noch mit Vikings oder so anfangen… Was die faulen Genies von den komplett Verplanten unterscheidet, ist allerdings, dass sie sich das auch leisten können. Dadurch, dass sie doch ziemlich klug sind, verstehen sie den Stoff schnell und merken sich viel, sodass sie nur einen Bruchteil der Zeit zur Klausurvorbereitung brauchen, den ihre Kommilitonen dafür benötigen.

Die Dauerstudenten

„Was? Drei Vorlesungen in der Woche? Das ist mir viel zu stressig, man muss ja auch mal leben!“ (Dieter, 42. Semester Publizistik)

Ja, ihr Leben außerhalb der Uni ist den Dauerstudenten wichtig. So erlangen sie ihren Bachelor meist erst weit nach der Mindeststudienzeit. Man erkennt die Dauerstudenten daran, dass sie den Altersdurchschnitt in den Seminaren um ein paar Jährchen heben und dass sie irgendwann zu einer Art „Urgestein“ auf der Uni werden. Manchmal werden sie auch schon mit „Hallo, Herr/Frau Professor“ begrüßt – obwohl sie noch nicht mal ihren Bachelor geschafft haben.

Justus und Justizia

Ob Justus nun BWL oder Jura studiert, darüber scheiden sich die Geister. Jedenfalls sind Justusse und ihre weiblichen Äquivalente überaus häufig in den Studiengängen anzutreffen, in denen gute Kleidung quasi vorausgesetzt wird. Geisteswissenschaftler sind sie also keine. Dieser Studententyp ist zwar recht selten, zeichnet sich aber durch seinen überaus großen Reichtum aus – also durch den von Mami oder Papi. Wenn mal zu viel Schnee auf der Straße liegt, reisen sie einfach mit dem Helikopter an. In der Mensa hat man sie nie gesehen, sie sind immer im Luxusrestaurant nebenan. Sie können es sich schließlich leisten. [Siehe auch: BWL Justus]

Everybody’s Darling

„Hey, wie geht’s? Ich heiße Marc und du bist?“ – So wird man begrüßt, sobald man sich neben ihn setzt. Oder neben sie. Everybody’s Darling ist zu jedem freundlich und ist ein Segen für Erstsemestrige, die absolut keinen Anschluss in ihrem Fach haben. Diesem Studententypen muss man das Networking nicht mehr beibringen. Er schafft es, jeden, der sich neben ihn setzt, in ein Gespräch zu verwickeln. Jedes Mal, wenn man ihn danach am Gang sieht, grüßt er einen freundlich. Schlechte Laune? Kennt dieser Mensch nicht. Jeder kennt ihn und jeder mag ihn. Ein angenehmer Zeitgenosse, er verzettelt sich nur manchmal mit seinen ganzen Kontakten.

Die Geiwi-Studenten

Man darf natürlich nicht verallgemeinern, da unter den Geiwi-Studenten bisher auch alle anderen Studententypen zu finden sind (abgesehen von Justus und Justizia), aber gerade an der Universität Innsbruck zeichnen sich die Geisteswissenschaftler durch eine besonders prominente Eigenschaft aus: Sie stehen im Weg. Immer. Überall. Mitten im Gang in einer großen Gruppe zu stehen, sodass kein Mensch mehr vorbeikommt, ist hier en vogue. Ebenso wie sich zu fünft nebeneinander auf die Treppen zu setzen. Oder sich vor eine Tür zu stellen. Der Hintergrund dieses Phänomens ist mir leider absolut unbekannt.

Je länger man studiert, umso mehr verschiedene Studententypen fallen einem auf. Ich könnte auch noch ewig so weitermachen und über die Power-Feministin, die Vorzeigeveganer oder die Uni-Barbie reden. Aber das würde wohl den Rahmen sprengen. Wenn euch der Beitrag gefallen hat, schreibe ich aber natürlich gerne einen zweiten Teil dazu. Lasst es mich einfach wissen! Habt ihr euch irgendwo wiedererkannt?

Eure Julie,

Die mit dem roten Lippenstift

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29 Kommentare zu “Studententypen und wie man sie erkennt

  1. Hi Julie! Mit viel Freude habe ich deinen Beitrag gelesen! Bei uns in der Uni Hamburg laufen ganz genau die gleichen Gruppen herum. Als Jurastudentin, absolut ohne reiche Eltern, sehe ich mich leider sehr häufig Justus und Justizia ausgesetzt, die nur in Designer Klamotten gekleidet zur Uni chauffiert werden. Und sich eben nicht dem Druck ausgesetzt sehen, sich anzustrengen, weil Mami oder Papi ja eh schon einen Job in ihrer Kanzlei parat haben. Dennoch muss ich sagen, dass ich in der langen Studiezeit ganz tolle Menschen kennen gelernt habe!
    Bittebittebitte schreibe den zweiten Teil!
    Ich gehöre eher zu den fleißigen auf dem letzten Drücker und bin ansonsten voll verplant. Ich verlaufe mich ständig in der Uni und wusste oft nicht, welche Vorlesungen belegt werden sollten, wann welche Klausur ansteht… usw…

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    • Vielen Dank für deinen lieben Kommentar und deine Erfahrungen 🙂
      Als BWL Studentin ohne reiche Eltern kenne ich das Problem auch recht gut 😀
      Im Studium lernt man teilweise echt coole Menschen kennen, das stimmt 🙂
      Und gerne schreibe ich einen zweiten Teil 🙂 vielen Dank und schönen Tag!

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  2. Haha. Sehr gut. Ich gehöre zur streber/faulen genie fraktion, die mit ihren fragen die lehrer beglückt und den mitschülern am nerv geht. Aber bei gefühlten 100000$ studiengebühren will man ja auch was lernen:-)

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  3. Super! Ich studiere selbst an der Uni Innsbruck und kenne die meisten deiner Studententypen. Besonders die GeiWi im Weg steher… ich bin selbst an der GeiWi und ärgere mich jedes Mal…
    Kannst gern mehr in dieser Richtung schreiben 🙂

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  4. Ich selber studiere zwar nicht, aber ich hab früher meinen besten Freund (Elektrotechnik, später Medizintechnik) ein paar Mal zu Vorlesungen begleitet, das war schon amüsant, was für unterschiedliche Typen da in dem Hörsaal saßen 🙂
    Und ja, bitte einen zweiten Teil! Bitte! 🙂 Ich musste herzlich lachen 😀

    Grüße, Steffy

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  5. Hallo Julie!

    Deine Studententypen sind echt genial geschrieben. =D
    Und ich muss sagen, wenn ich so an meinen jetzigen Studiengang denke, (5.Semester Software Engineering berufsbegleitend) muss ich echt lächeln, weil wir haben auch ein paar Streber (kommt zumindest so rüber), ein paar Party-People, ein paar faule Genies.

    Aber Dauerstudenten oder die komplett Verplanten findet man bei uns eher weniger, da bei einen berufsbegleitenden Studium der Überblick ja nicht verloren gehen darf, ansonsten ist man schneller weg vom Fenster als gedacht.

    Danke für deinen lustigen und spannenden Beitrag.. :-), konnte mir ein paar Lacher nicht verkneifen. Und ich muss mich dem Typ Streber anschließen, wobei ich meist nicht nach Hause fahre und gleich lerne, nur wenn am nächsten Tag (meist Samstag) ein Kurztest ist.

    Liebe Grüße,
    Carina.

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    • Hey Carina,
      Vielen Dank, das freut mich sehr!
      Ja da darf man bei euch natürlich nicht allzu verplant sein, das stimmt schon 😀
      Und es muss ja auch nicht jeder Streber immer heimfahren 😉 Ich bewundere die Streber immer, weil ich das selber nicht schaffen würde, insofern hast du meinen vollsten Respekt 😀
      Liebe Grüße,
      Julie

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      • Hey Julie,
        berufsbegeitend studieren, bringt jeden an seine Grenzen. Manche hören auf, andere kämpfen weiter.

        Und was mich ja immer so nervt ist, wenn welche die wirklich Vollzeit studieren, zu jammern anfangen, wie wenig Zeit sie nicht haben. Sind aber ständig shoppen, Freunde treffen, können Bücher lesen und Musik hören.

        Ich sehe von diesen Sachen nur um die Weihnachtszeit und im Sommer etwas davon. Könnte deswegen manchmal echt grantig werden.

        Aber ich tröste mich damit, ich finde vermutlich leichter nen Job wie der Vollzeitler, weil ich ja Berufserfahrung auch noch mitbringe. 🙂

        Immer das Positive sehen! 😉

        Liebe Grüße,
        Carina.

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